Führen ohne Hierarchie

Führen ohne Hierarchie – Ist das möglich?

„Führen ohne Hierarchie“ löst Reaktionen aus: „Was soll das sein, ein basisdemokratischer Debattierklub?“, „Führung ohne Hierarchie, das geht doch gar nicht!“ oder „Klingt interessant, aber auch ohne Hierarchie muss es doch so etwas wie einen Leitwolf geben“. Die Assoziationen zum Thema machen eines offensichtlich: Zusammenarbeit von Menschen und Hierarchie scheinen zusammen zu gehören. Ist „Führen ohne Hierarchie“ wirklich möglich?

Auf den ersten Blick ist „Führen ohne Hierarchie“ in der Praxis nicht umsetzbar. Der Grund dafür ist einfach. Verantwortung für eine Aufgabe oder Rolle auf der Arbeitsebene zu übernehmen, ist nicht einfach und bedeutet, in Konflikte eingebunden zu werden. Es muss Position bezogen werden und diese ist auch zu verteidigen. Dabei ist das Mittel der Delegation auf den Vorgesetzen oft willkommenes Mittel der persönlichen Entlastung. Umgekehrt zeigen Vorgesetzte die Tendenz, sich in die Arbeit und die Entscheidung der Mitarbeiter einzumischen und diese zu entmündigen. So entsteht insgesamt der Eindruck, dass Entscheidungen erst durch die Einbeziehung der Hierarchie möglich werden. In der Konsequenz wird hierarchische Führung dann als alternativlos gesehen.

Komplexität – Die Störgröße für Hierarchien

Dem gegenüber steht die zentrale Störgröße für einen hierarchischen Führungstil: die Komplexität in der heutigen Welt, die es einzelnen Personen unmöglich macht, in allen Bereichen kompetent zu sein, den Überblick in allen Details zu wahren und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auch wenn einzelne Personen bereit sind, die Gesamt­verantwortung zu übernehmen, sind sie doch in der Situation, Entscheidungen ohne eine ausreichende und neutrale Informations­grundlage treffen zu müssen.

Das Dilemma

Die hierarchischen Verhältnisse können nicht ignoriert werden, aber die Komplexität überfordert die Hierarchie. Daher ist es „modern“ geworden, Projekte mit einem Leiter und kompetenten Projektmitgliedern ins Leben zu rufen, die Lösungsvorschläge und –Konzepte erarbeiten sollen. Dabei bleibt aber ein Problem erhalten: das Team wird so besetzt, dass die Macht- und Einflussfaktoren aus der Hierarchie gewahrt bleiben. Die Wirkung der Hierarchie bleibt in solchen Projekten dann erhalten.

Führen ohne Hierarchie – Eine Herausforderung

„Führen ohne Hierarchie“ ist ein Ansatz, in Teamstrukturen „in Ergänzung zu einer Hierarchie“ effizient zu arbeiten.

Entscheidend für die Funktionsfähigkeit sind Regeln, die erfüllt sein müssen:

  • – Es gibt nur einen Auftraggeber, der Entscheidungsbefugt ist. Das kann eine einzelne Person oder ein Gremium sein.
  • – Es gibt einen Teamleiter, der kein „hierarchischer Chef“ ist, sondern das Team mittels im Team verabschiedeten Regeln führt.
  • – Der Teamleiter und die Mitglieder sind so ausgebildet, dass sie ihre Rollen im Team und nach außen hin vertreten können.
  • – Es wird geregelt, wer wen wann und wie über die Arbeit des Teams informiert und wie die Einbindung von Stakeholdern erfolgt.

 Führen ohne Hierarchie – Ein Erfolgsmodell

Die Erfahrung mit „Führung ohne Hierarchie“ hat gezeigt, dass alle betroffenen Personen, Auftraggeber, Teamleiter und Teammitglieder einen kulturellen Lernprozess durchlaufen müssen, wenn das Konzept erfolgreich sein soll. Führungskräfte müssen sich mit Ihrer Leadership-Rolle vertraut machen, klassische Führung reicht nicht mehr aus. Die Teammitglieder müssen lernen, wie sie Verantwortung konsequent übernehmen, in der Arbeit umsetzen, welche Eskalationsoptionen bestehen und wie man damit am besten umgeht. Was auf den ersten Blick wie eine Revolution der Arbeitswelt aussieht, erweist sich in der Praxis als wichtiger Schritt in der Evolution der Zusammenarbeit.

Wer die Effizienz und Leistungsfähigkeit durch „Führen ohne Hierarchie“ einmal erlebt hat, arbeitet nur noch ungerne in einer Hierarchie mit „klassischer Führung“. In diesem Prozess, in dem die intrinsische Motivation eine Schlüsselfunktion inne hat, wird die individuelle Arbeit als unmittelbare persönliche Bestätigung erlebt und es entsteht der Raum für eine prägnante persönliche Entwicklung. Die Prinzipien der „Führung ohne Hierarchie“ sind dann auch Grundvoraussetzungen für den Erfolg von Konzepten wie Industrie 4.0., Arbeit 4.0 oder HR 4.0.

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